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Taboris Farce bei Taggs- Premiere am 20.März
24. Februar 2009 | Ein Beitrag von , abgelegt unter Vermischtes. [ Kommentare: 1 ]

So beschreiben wir unsere neue Produktion, die am Freitag, den 20. März, in der Aula unseres Gymnasiums um 19.30 Uhr zu sehen sein wird:
Schon seit Jahren hängt ein Zettel im Fundusraum (da kann jeder TaGGSler seine Projektideen aushängen): Taboris „Mein Kampf“! Und dabei stand noch: „Geht nicht, dafür braucht man doch eher ein Jungsensemble auf der Bühne.“ Das stand so krakelig daneben.

Am Schuljahresanfang traf sich der Theaterkurs Klasse 11 und – he, fast nur männliche Teilnehmer. Es war ein schnell gefasster Plan, unter den beschriebenen Bedingungen das Tabori-Projekt anzufangen. Warum war auf einmal der Wunsch da, ein Stück zu dieser Problematik auf die Bühne zu bringen?
Unsere Produktion interessiert die historische Hitler-Figur nur am Rande. Wir haben vom „Großen Diktator“ doch nur Klischees, Karikaturen, Witzfiguren im Kopf – und wollen uns auch gar nicht annähern. Aber es interessiert uns, wieso heute M-V eine Hochburg der Neu-Nazis ist, wieso die Rechten eine solche Anziehungskraft entwickeln können.

Wir haben deshalb die Hitler-Figur verfünffacht, haben sie aufgeteilt, um mit ihr besser fertig werden zu können. Dasselbe auch mit dem Gegenspieler Schlomo Herzl, dem Mann mit Chuzpe und Herz, der doch nicht siegen kann gegen den Adolf, weil er ihn zu lange und zu nachsichtig erträgt, weil er gutmenschenhaft nicht „den Anfängen wehrt“.
Und wir müssen beim Theaterspielen in diesem Projekt immer wieder fragen, wie die Balance im Umgang mit dem Nazi denn zu finden ist. Ob sie überhaupt zu finden ist. Und immer wieder die Debatten um das „Darf man das – darf man das Thema in einer Farce darstellen?“

Der Kriegsausbruch des zweiten Weltkrieges ist 70 Jahre her. Die Medien sind voll von Dokumentationen und Filmen über Kriegsverlauf, Rolle der Wehrmacht, über den Widerstand und eben über Hitler und seine Helfer. Prof. Guido Knopp war schon an allem dran, und beim „Untergang“ konnte man Hitler und Göbbels mit Familie kennen lernen. Wollte man eigentlich gar nicht. Was geht uns dieses Monster des 20. Jahrhunderts an. Wie der so drauf war, ob er Sadist, Machtbesessener oder der Typ mit der schweren Kindheit war, was soll uns das?
Oder: Unsere szenische Lesung „Adressat unbekannt!“ auf der KZ-Befreiungsgedenkveranstaltung, im Publikum alte ehemalige Häftlinge des Lagers Wöbbelin. Im Anschluss weinende, aber dankbare polnische Frauen, denen „die jungen Leute“, sie meinten uns, ein neues Bild von Deutschen vermitteln konnten. Aber auch der aufgebrachte alte Herr, der sich dagegen wehrt, dass der Roman behaupte, schon 1934 habe ein Jude das Recht gehabt zurückzuschlagen, als Deutsche seine Familie zerstörten. Das hätten wir nicht so auf die Bühne bringen dürfen, meinte er. Hinterher lange Diskussion im Ensemble.

Krieg in Gaza. „Wir lassen uns nicht noch einmal einfach ausbeuten, verdrängen und wir Israelis schauen nicht zu, wie wieder Juden ermordet werden. Wir können uns wehren.“ Hat ein israelischer Politiker neulich im Fernsehen gesagt. Ist das nicht das gleiche Thema?

Auf jeden Fall haben wir kapiert, dass diese Theaterarbeit hochpolitisch ist und mit uns extrem viel zu tun hat. Frau Merschmeiers „Männerheim unter der Metzgerei“ könnte genauso ein Jugendcamp an der Müritz sein oder ein Fußballfanclub auf Gruppenfahrt!


So sieht man Taggsler selten…-Martensschmaus 2008
4. Februar 2009 | Ein Beitrag von , abgelegt unter Vermischtes. [ Kommentare: keine ]

Martensschmaus - das Ensemble im Herbst