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Krabat und Kampf wie Anfang und Ende
12. Juli 2009 | Ein Beitrag von , abgelegt unter Vermischtes. [ Kommentare: keine ]

Am Dienstag dem 9. Juli 2009 war ein Tag, an dem etwas sehr Ungewöhnliches passierte. Eine Premiere und eine Derniere.  “Immer spielt ihr und scherzt! Kampf in 5 Runden” wurde um 20 Uhr zum letzten Mal gespielt. Letztmalig fegten die Kämpfer übers Gerüst. Leichte Wehmut im  noch einmal zahlreich erschienenen Publikum. War es doch auch die “Und Tschüß-Vorstellung für einige TaGGSler.

Zuvor aber, um 18 Uhr, feierte ein anderes Stück seine Geburtsstunde: “Krabat”.
Krabat, das ist eigentlich Faust auf sorbisch. Märchenstoff, der sich mit Macht, Wissen, Magie und Verführung beschäftigt.
Die Bühne ist dunkel, einzelne Spieler haben sich zu Klumpen geformt, zu Steinen, die stehen auf der dunklen Bühne herum. Ein weißlicher, fast durchscheinend wirkender Vorhang begrenzt den Raum. Er wird den Spielern  als Projektionsfläche, als Schattenwand dienen, ein magischer und mystischer Ort.  “Einmal fiel ein Stein  vom Himmel und zerbarst.”  Es ist Krabat. Er kommt, um den Wolf zu erschlagen. Man sagt ihm, der Wolf sei ein Märchen und Krabat bekommt ein Angebot, welches er nicht ausschlagen kann. Er bekommt einen Platz als Mühlknecht, die Aussicht auf jeden Sonntag Hasenbraten und darf für jedes Jahr, das er beim Müller dient, ein bisschen mehr Wissen erlangen. Denn der Müller hat einen Schatz. Sieben Bücher, alles Weltwissen von gestern, heute und morgen, in einer Kiste mit sieben Schlössern. Für jedes Jahr Dienst darf der Knecht ein Buch lesen und im siebten Jahr weiß er alles, was man wissen kann. Alles, was der Müller weiß. Schnell wird das Prinzip dieses Handels deutlich: Geködert und unterdrückt, leben die Mühlknechte unter dem Müller. Er füttert sie an und sie denken nur an das Fressen und werden zu Tieren, zu Schweinen. Nie mehr als 12, denn  12 ist das Prinzip des magischen Müllers, 13 hat die Wahl.Kommt also ein Dreizehnter, muss einer der anderen sterben – willkürlich ausgewählt.  Fragen werden nicht geduldet und wer nicht wählt, wählt sich selbst zum nächsten Opfer. Es werden starke Parallelen zur Gesellschaft deutlich. Wer ein System infrage stellt, setzt sich oft Kritik aus, wer einfach handelt, umgeht viele Schwierigkeiten. Was geschieht mit dem ausgewählten Kollegen von Krabat? Es bleibt offen, bis zu dem Punkt, als die riesigen Schatten erscheinen. Silhouetten im Gegenlicht, getragen, gezogen – jetzt wird es deutlich, dass diese Mühle kein Ort der Bildung ist. Die Spieler stürmen ins Publikum, werfen Schlagzeilen ins Publikum.  Bankencrash,  Atomtests, Genmanipulation usw.  zeigen, wie das Wissen zu allen Zeiten missbraucht werden kann.  “Wer weiß, der kann!” heißt es in der Mühle.  In diesem Stück ist das Wissen die Macht. Es ist das Lockmittel des Müllers, also des Mächtigen und es wäre der Untergang des Protagonisten, wenn ihn nicht eine Kleinigkeit von den anderen Knechten unterscheiden würde. Eine Frau hatte Krabat “ihre Freude” geschenkt, weil er unter Einsatz seines Lebens ihr Kind gerettet hatte. Er ist der Rebell, derjenige, der Kraft, Klugheit und vor allem Mitgefühl, Solidarität hat, er kommt also, um den Wolf zu erschlagen. Und so zettelt er die Revolution an. Mit einprägsamen Bildern schildern die Spieler von Lysistrate und TaGGS die Unterdrückung. Symbolisch und textlich wird deutlich, der Müller wählt immer die Starken aus und trennt sie von den anderen. Sie verschwinden. Die Übrigen ziehen die Köpfe ein, wollen nicht auffallen und so siegt der Terror. Krabat eint die Knechte, gemeinsam wagen sie den Aufstand. Er hält die Bücher in den Händen und… verbrennt sie. Es will keine Macht über die anderen. Zusammen  werden die ehemaligen Knechte den Sumpf trocken legen und den Wolf erschlagen. Eindrucksvoll, einprägsam zeigen sie, dass Wissen wichtig ist. Wissen ist ein hohes Gut, das gehütet und mit Weisheit eingesetzt werden soll.

Das gemeinsame Spiel der Lysis und TaGGSler zeigt, dass am Goethegymnasium nicht nur die Chöre singen können, dass manchmal ganz einfache,  präzise eingesetzte Bühnenmittel einem Publikum  Gänsehaut verpassen können.

Das Publikum war begeistert und andächtig, zeitweise in Gedanken versunken  und klatschte dann einem Stück Beifall, das es verdient. Wie nah Märchen an der Realität sind, wurde spätestens an diesem Abend bewiesen.

Es spielten: Anne-Kathrin Knödler, Judith Klinger, Robert Will, Johannes Kloth, Christian Kock, Julia Meißner, Kathrin Wegener, Cherien Steuer,  Sophie Knödler, Maraike Lohse, Marina Vowinkel, Esra Schreier, Marleen Werner, Jacob Kämmler, Tilman Mett, Cristin Neuber, Lisa-Marie Prochnow, Marvin Rieckhof, Magdalena Thun, Luise Kirsten, Anna Köhn, Theresa Hahn

Spielleitung: Silke Gerhard und Anne Kathrin Holz
Technik:  Marcel Schubbe, Alexander Vowinkel, Franziska Push, Moritz Krumhoff

Bilder der Premiere hier!


Workshop: Merzbühne oder Fümms böwö
10. Juli 2009 | Ein Beitrag von , abgelegt unter Vermischtes. [ Kommentare: 2 ]

Präsentation: 11. Juli, ca. 10:50Uhr – Wandelgang – Haus 1. Goethe – Gymnasium Schwerin

Ablauf ist ungefähr so: (Plot)
Gerade sind Zwölf in die Championsliga aufgestiegen, da zoomt die Kamera ins All und wir sehen die Erde. Die Erde bebt und die Ursonate ist zu hören. Ein „Fümms böwö“ und ein „Pögiff“. Gestalten erheben sich, aus der Erde entstehend, in ihren Lauten sprechend. Die Welt, zerreißt uns, zieht uns hin und her und schwingt. Die Zuschauer sind blutrünstig und fressen was sie sehen. Aber das sind nur Banalitäten. Wenn wir uns diese Banalitäten anhören, könnte man echt wütend werden. Dann möchte man sich schlagen. Da hilft auch keine Sehnsucht. Es bleibt ein Kümmernisspiel und der wütende Mob wird sich über die Wechsellehre bewusst. Menschen leiden tausend null.

Bilder gibt es hier!