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Hannes Wolf kommentiert Unser Haus-Projekt!
23. Juni 2010 | Ein Beitrag von , abgelegt unter Vermischtes. [ Kommentare: keine ]

Unser Haus – Ein Besuch in der Heimat

„I will live forever“ dröhnt es an mein Ohr. Ich sitze in einem Raum mit nackten Betonwänden, auf einem Campingstuhl, um mich herum tanzen ausgelassen junge Menschen. Die Wände sind mit vielen Farben beschmiert, ergeben ein bizarres Bild im Licht des Scheinwerfers.

Farbe, Räume, Geschichten gehen mir durch den Kopf. Kopfkino.

„I will live forever…“ und ich spüre wie dieser Ort seinem Ende entgegensieht. Ich weiß um seinen Abriss. Es war sein letzter großer Auftritt. Game Over.

Wie beginnt man eine Geschichte, deren Anfang und Ende man nicht kennt?

Ich bin einer Einladung gefolgt: Theatergruppe hat Haus, aus Dornröschenschlaf geweckt.

Der Plattenbau wird abgerissen werden, aber vorher wollen Schüler das Haus besetzen und seine und ihre Geschichten erzählen.

Es ist 18:50Uhr und während ich aus dem Auto steige, sehe ich schon eine Ansammlung von Menschen vor einem großen kastenförmigen Betongebäude. Mitten in einem sozial schwachen Plattenbaugebiet. Leer stehende Blocks, die Nachbarn sind ein Obdachlosenheim und Carisatt.

Man kennt die Geschichte dieses Bezirks und bringt seine eigenen Gedanken mit. Hier rechnet man mit erschütternden Geschichten sozial schwacher Randgruppen. Was könnte mir sonst so ein Haus erzählen?

Hier war bis vor 20Jahren ein Zuzugsgebiet, ein Arbeiterwohnheim, vor allem für Vertragsarbeiter aus Vietnam, dann für Asylbewerber und Spätaussiedler, ein Übergangsquartier für alle möglichen Menschen in Übergangssituationen, schließlich auch ein muslimisches Zentrum und seit 7 Jahren – nichts. Ein Plattenbau -gebaut mit großen Ambitionen des DDR-Staates. „Wohnen am Park“ und „positive Sozialprognose“ haben dieses Projekt begleitet. Der Abriss ist für August 2010 geplant. Wenn Geld dafür da ist.

Ich begebe mich unter die Leute, sehe bekannte Gesichter, schließe mich einer Gruppe (Familie) von Besuchern an, erwerbe ein Programmheft und warte.

Noch vor dem HAUS sehen wir die grauen Wände, die Farbe, die abbröckelt, und die Spieler beginnen ihr Spiel. Ein Spiel mit dem Klischee, mit der Fantasie, mit Vorurteilen und bitterbösem Humor, der betroffen und nachdenklich macht. Der unsere Sicht auf Menschen und Stadtteile, sei es Berlin-Marzahn oder Schwerin-Großer Dreesch, hinterfragt. Da krepiert der Lacher im Hals, da verschluckt man sich an der Realität. Trotzdem kommt keine Moral, sondern ich bleibe bei mir und bin Zuschauer.

Hier werden einmal meine Erwartungen gebrochen, damit ich mich einlassen kann auf das Filigrane, auf das Wirkliche, das Eigentliche, das Persönliche.

Es beginnt ein Rundgang, eine Führung, von Wohnung zu Wohnung, von Raum zu Raum, von Geschichte zu Geschichte, von Beobachtung zu Beobachtung, von Gedanke zu Gedanke, von Traum zu (Alp)Traum. 2 Etagen, 5 Abteilungen, 29 Räume, 4 Ausstellungen, 33 Spieler.

Die folgende Stunde ist wie Kaninchenbau, ist Wunderland, ist Kindheit, ist Suche. Das weiße Kaninchen hat grüne Fußabdrücke, die Grinsekatze eine Trillerpfeife. Ich bin Alice und folge Treppe rauf und runter, durch scheinbar endlose Flure.

Es geht ums Wohnen, ums Leben, um Zukunft. Es geht um Schönheit, um Träume, um Glauben, um Liebe, um Ängste… dieses Haus ist ein Museum geworden, ein Fundort persönlicher Geheimnisse und Gedanken. Manche so leise geflüstert, dass sie im Stimmengewirr untergehen, manche an die Wand geschlagen, geschrieben. Sie sind allgegenwärtig. Ich verlasse keinen Raum, wie ich ihn betreten habe. Dieses Haus lebt, für einige Minuten, voller Stimmen, voller Menschen, voller Erinnerungen einer alten und den Träumen einer neuen Generation. Ich lese Wände wie Tagebücher, sehe Parolen und bekomme eine Ahnung von Geschichte. Es ist so vielseitig wie einzigartig, so persönlich wie künstlerisch. Die Räume erzählen, die Spieler erzählen und gemischt mit meinen Gedanken, ergibt es einen Sog, in dem sich viele Bilder vermischen und doch einzeln gesehen werden. Ein einzigartiges Theatererlebnis, wo ich mit wenigen Menschen in einem dunklen Raum, ohne Fenster und mit 8 Türen, stehe und ein Spieler rennend an den Türen rüttelt, den Ausgang sucht und die Frage nach dem „Woher? Wohin?“ stellt.

Es begleiten mich Beklemmung, Trostlosigkeit, so wie mich Ideen und Räume beschäftigen, ich über Träume schmunzeln und über Geschichten staunen muss.

Und wie Alice verlasse werde ich das Wunderland… ohne alles gesehen zu haben. Aber wie Alice nehme ich etwas nach Hause mit und bin mir sicher, dieser Abend „will live forever“.


Das war unser Haus
17. Juni 2010 | Ein Beitrag von , abgelegt unter Vermischtes. [ Kommentare: keine ]

Nun ist es geschafft. Ein knappes dreiviertel Jahr „Schultheaterwahnsinn” liegt hinter uns.

Nun einmal das Projekt in Zahlen und Daten:
Mehr als 40 Personen waren beteiligt, davon bildeten 25 die „spielende Hausgemeinschaft”. 662 Menschen haben uns vom 08.06.2010 bis zum 13.06.2010 in sieben Vorstellungen besucht. Mehr als 50 Monologe und Dialoge wurden geschrieben, von denen 37 in der Schlusstextfassung vorhanden waren. Sechseinhalb Hausordnungspunkte wurden verfasst. 33 Räume wurden bespielt und gestaltet. 800 Flyer, Plakate, zwei Trailervideos, zwei SVZ-Artikel, zwei NDR-Beiträge und das Web 2.0 warben für das Projekt. Das Programmheft hatte 16 Seiten. Nicht schätzbare Mengen Wasser und Farbe wurden verbraucht, ebenso wie: Nägel, Schrauben, Klebeband, Klebezettel, Pappe, Papier, Kreide, Heißkleber, Fit, Rindenmulch, Kilometer, Benzin, Strom, Gummibärchen, SCHOKOlade, Kekse, Chinanudeln…

In dieser langen Zeit wächst einem die alte Lady natürlich ans Herz. Doch in zwei Wochen müssen wir sie dann endgültig freigeben. Zum Abriss quasi. Bis dahin ist Auf- und Ausräumen angesagt. Und Umräumen, denn ein Teil des Hauses zieht um. In den StadtBLOCK von „Mein Block”. Dort haben wir nämlich zwei Räume bekommen, die wir, ganz wie wir wollen, mit Elementen aus der Platte gestalten dürfen. Die Eröffnung ist übrigens schon am 22.06.2010! Sehen wir uns?

Und in diesem Jahr wollen wir noch einmal ganz offiziell Danke! sagen. Allen, die dazu beigetragen haben, unser Projekt möglich zu machen.
Vielen Dank an unseren Bühnenraumgestaltungsleiter Tino Bittner und das Projekt „künstler für schüler”. Danke an Guido Müller und Daniela Kaesler von der WGS für das Bereitstellen des Hauses. Ebenso an die Mitarbeiter der Stadtwerke Ute Berger, Rene Rüdiger und Herrn Pohl für viel Energie. Vielen Dank den Mitarbeitern der Wohnungslosenunterkunft für verständnisvolles Nebeneinander und den Familien der TaGGSler für ihre Unterstützung.

Bald heißt es nun Abschied nehmen.

Ach, könnte die Platte doch immer „Unser Haus” sein!


Zum letzen Mal
13. Juni 2010 | Ein Beitrag von , abgelegt unter Vermischtes. [ Kommentare: 2 ]

Nach sechs erfolgreichen Vorstellungen, folgt heute der letzte Dialog mit der alten Lady.

Jeder ist nochmal rechtherzlich eingeladen, uns um 19:00 Uhr in der Anne-Frank-Straße 32-34 zu besuchen!


Unser Haus – Fotos von der Premiere
9. Juni 2010 | Ein Beitrag von , abgelegt unter Vermischtes. [ Kommentare: 1 ]

Ich als – nunja – Außenstehender darf das sagen: Die Premiere war fantastisch. Was die Spieler dem Publikum geboten haben, war absolut umwerfend. Das Haus ist ein Schatzkästchen geworden und die Szenen begeistern, verstören, rühren an und machen in der Kombination extrem gute Laune.

Taggs-Fotograf Ulli Wille hat einen Artikel online – und viel, viel mehr Bilder.

Am Dienstagabend hat das Nordmagazin über das Projekt berichtet.

Zu finden ist der Beitrag in der Mediathek des NDR.

Gespielt wird wieder am:
Mittwoch, 09. Juni, 19:00 Uhr (bereits ausverkauft)
Freitag, 11. Juni, 16:30 Uhr und 19:00 Uhr
Sonnabend, 12. Juni, 16:30 Uhr und 19:00 Uhr
Sonntag, 13. Juni, 19:00 Uhr

Es können immer nur 80 bis 100 Zuschauer gleichzeitig ins Haus.
Plätze sichern unter: bennojonitz@gmail.com oder vor der Vorstellung direkt am Haus.


“Das ist unser Haus” im NDR Fernsehen
8. Juni 2010 | Ein Beitrag von , abgelegt unter Vermischtes. [ Kommentare: keine ]

Heute hat das Nordmagazin über uns berichtet.

Zu finden ist der Beitrag in der Mediathek des NDR.


Mittwoch, der 09.06.2010…
7. Juni 2010 | Ein Beitrag von , abgelegt unter Vermischtes. [ Kommentare: keine ]

…ist komplett ausgebucht! Für die anderen Vorstellungen sind aber noch Karten zu haben! Immernoch vorbestellbar unter: bennojonitz@gmail.com

Übrigens: In 19,5h ist Premiere! ;)


TaGGS-Premiere: Was wäre, wenn…
7. Juni 2010 | Ein Beitrag von , abgelegt unter Vermischtes. [ Kommentare: keine ]

es zum Beispiel etwas kälter und/oder regnerisch ist? DANN zieht sich ein geübter Zuschauer sommerlich-norddeutscher Bühnenkultur natürlich entsprechend wetterfest an! Genau!

Wir sehen uns? “Das ist unser Haus”


Wir sind vorbereitet…
3. Juni 2010 | Ein Beitrag von , abgelegt unter Vermischtes. [ Kommentare: 5 ]

Wir haben gefegt, gesaubt, gewischt… Fenster geputzt werden am Sonntag, soweit Fenster noch vorhanden sind! Wir haben Einladungen verschickt mit der gelben Post, über die TaGGS-Seite, über Facebook, über die Zeitung, übers Fernsehen und wo Sie /ihr noch so zu erreichen sind/seid!

Die Karte fürs Haus mit dem genauen Plan aller Wohnungen usw. gibts direkt vorm Haus. Wenn’s los geht! Man kann auch öfter kommen, da freuen wir uns sehr!
Überhaupt sind wir  auf freundlichen Besuch eingerichtet!
Und wir freun uns schon auf viele Begegnungen…

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Und hier noch die Einladung in bewegten Bildern:

Premiere am 8. Juni um 19 Uhr in der Anne-Frank-Straße 32-34!
Und dann am 9./11./12./13. Juni jeweils um 19 Uhr, zusätzlich am 11. und 12.Juni auch um 16.30 Uhr!
Vorbestellungen unter:
bennojonitz@gmail.com