header image
Premiere: “Ich bin nicht frei! Bin vieles nicht” am 7.Juni 2013
4. Juni 2013 | Ein Beitrag von , abgelegt unter Vermischtes. [ Kommentare: keine ]

Zum Projekt:

 

Das Lenz-Projekt: Vertraut den Bildern mehr als dem Wort!

TaGGS arbeitet seit Anfang Januar an einem Theater-Projekt ohne Text

 

Am Anfang dieses Projektes der Theatergruppe stand die Beschäftigung mit Georg Büchners berühmter Lenz-Novelle sowie ein kleiner Text aus den Materialien zu Büchners Verhältnis zum Dichter Jakob Lenz.

Aus Letzterem geht hervor, dass Georg Büchner für seine Novelle viel Biografisches zu Lenz fiktional ergänzen musste, wegen der extrem dünnen Quellenlage bezüglich dessen Biografie.

Uns wird erzählt, Lenz wäre, nachdem er seine Dichterfreunde und Sturm- und Drang-Genie Johann Goethe in Weimar längere Zeit besucht hatte, zunehmend entwurzelt worden, er sei quasi kaputtgegangen – ver-rückt eben.

So lebte er hin!“ – heißt es bei Büchner.

Der Novellen-Text formt also das Bild, welches wir uns heute von Jakob Michael Reinhold Lenz machen, weil ganz viele schriftliche Zeugnisse, Briefe, selbst schriftstellerische Werke des talentierten Dichters verbrannt, zerrissen, oft auch absichtlich vergessen und vernichtet worden sind.

 

Was wir wissen ist, dass Lenz einer Psychose verfiel und schließlich tot aufgefunden wurde – in Moskau auf der Straße. Und dass Lenz bei seinem Sturm- und Dränger- Freund Goethe in Ungnade gefallen und schließlich aus Weimar fortgeschickt worden war, dass auch Goethe zu den Vernichtern und Verdrängern gehörte, die aus Lenz einen „Wer-ist-das-eigentlich“ gemacht haben.

 

Das Schicksal des Dichters kommt den Jugendlichen verdächtig nahe: Wildheit, unbedingter Hunger nach Konventionsbruch versus Karrierestreben und Anpassung; Anstrengungsbereitschaft versus Gier nach Pause, nach Ruhe; ein Werther-Dasein versus Erfolgstyp; Freundschaft versus Mobbing – das sind Berührungspunkte zu Lenz, die die Jugendlichen gefunden haben.

 

Weil aber alles schriftlich Überlieferte zu Lenz, auch die Büchnersche Lenz-Novelle,so unglaublich unsicher und spekutativ bleibt, wagt TaGGS ein Experiment.

Die Theatergruppe nimmt den Umstand zum Anlass, in dieser Produktion auf gesprochenes Wort möglichst zu verzichten, eine Näherung an ein fremdes Schicksal nur auf der Grundlage der körperlichen Erfahrung zu versuchen.

Text gibt es nur völlig getrennt vom szenischen Spiel, als Chor aus dem Off, als Einspieler vom Band, als Projektion auf einer Leinwand ein Live-Facebook-Chat, der das Mobbing-Thema aktualisiert.

Schließlich entschließt sich die Spielgruppe sogar, den Zuschauer aufzufordern, ja zu überreden, ganz auf das Bild zu verzichten und die Augen zu schließen: Aus dem Zuschauer wird ein Zuhörer. Jetzt muss er sich ganz auf seine anderen Sinne verlassen und erfahren, wie unsicher wir werden, wenn man uns den deutlichsten Zugang zur Welt, den Weg über das Schauen, verwehrt.

Schauspiel nur im Kopf:

Dazu kommen Töne, Geräusche, akustische Spuren, die aber unscharf und auf tausenderlei Weise interpretierbar bleiben, unscharfe Bilder, Schatten, die von der Gruppe live im Saal erzeugt werden.

Es spielen: Anna Motzkus, Anne Marie Klinger,Gloria Baden, Friederike Birr, Charlotte Schön, Ulrike Wegener, Paula Brenne, Maria Susanna Fuhrmann,Julia Avramenko, Lea Jürgensen, Julia Zäske, Helene Sonntag, Kim Fröhnel, Eric Wilke, Moritz Gärber

Technik:  Ann Charlott Kuhfahl, Christian Lübcke

Die Premiere wird am 7. Juni 2013 um 19.30 Uhr in der Aula unseres Gymnasiums stattfinden.