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4. Dezember 2006

Die Geschichte der Gruppe

Eine Theatergruppe am Goethe-Gymnasium Schwerin (TAGGS) gibt es schon lange. Auf den Kurznamen hat sich das Ensemble erst im Jahr 2004 einigen können.

Wann alles begann oder wann begann alles?
Es ist nicht einfach zu entscheiden, welches Gründungsdatum TAGGS zuzuschreiben ist. Denn Theater gespielt wurde in der Goetheschule Schwerin eigentlich schon immer, wenn ein interessanter Text, einige spielwütige Jugendliche und, meistens, nicht immer, ein ambitionierter Pädagoge aufeinander trafen. Schon zu DDR-Zeiten gab es an der Erweiterten Oberschule inzwischen legendär gewordene Inszenierungen von Schülern und Schülerinnen, man erinnere zum Beispiel an das Faustprojekt unter der Leitung des damaligen Goethianers und heutigen Filmemachers und Regisseurs Andreas Dresen im Jahre 1982.
TAGGS hat also ein Problem immer dann, wenn Jubileen gefeiert werden sollen, weil das Ensemble in die kontinuierliche Arbeit so „reingerutscht“ ist.

Bühne frei – 1990
Einen Neustart gab es aber schon: Im Jahr 1990 machte sich Marianne Wörner, damals Deutschlehrerin an der Schule, auf, einen regelrechten Theaterkurs für die Oberstufe einzurichten. Seit dieser Zeit wird kontinuierlich und regelmäßig Theater gespielt, gibt es die Gruppe als jahrgangsübergreifende Arbeitsgemeinschaft, heute als Projekt- respektive Wahlpflichtkurs. Seit dieser Zeit ist es erklärtes Ziel der Arbeit aller Beteiligten, nicht nur niveauvolle Inszenierungen auf die Bretter der Aulabühne zu bringen, sondern außerdem und vor allem die Methoden und Mittel des Darstellenden Spiels zunehmend sicherer anzuwenden.

Cheffe
Seit 1991 arbeitet das Ensemble unter der Gesamtleitung von Anne-Kathrin Holz. Sie ist Lehrerin für Darstellendes Spiel und hat dafür an der Hochschule für Musik und Theater Rostock von 1997 bis 1999 im Beifach studiert. Ihre Abschlussarbeit, die Inszenierung „Medea-Versuch über eine böse Frau“ gehörte 2000 zu den Preisträgern des Bundeswettbewerbs „Schüler machen Theater“ und wurde deshalb zum „Theatertreffen der Jugend“ nach Berlin eingeladen. Selbstverständlich war dies eine Produktion der TAGGS.

Die „Kleinen“ ganz groß
Vom Herbst 1999 bis zum Sommer 2002 gab es eine segensreiche Verstärkung in der Leitung der TAGGS. In dieser Zeit übernahm ein weiterer Lehrer, Sven Baake, ebenfalls Leitungsaufgaben im Team. Dadurch wurde es möglich, innerhalb des Förderunterrichts des Gymnasiums eine zweite Gruppe aufzumachen, und zwar für Schülerinnen und Schüler der Klassen 5 bis 7. Mit Feuereifer stürzten sich die „Kleinen“ in die Arbeit und so konnten sie bereits im ersten Jahr mit „Der Vertrag“ als Landesbeitrag Mecklenburg-Vorpommerns zum „Schultheater der Länder“ (SdL) nach Berlin delegiert werden. Als im Jahr 2003 das SdL in Lübeck stattfand, war es wiederum die jüngere Gruppe, nun schon in Klasse 7 und 8, die mit ihrer Produktion „Räubert Schiller!“ teilnehmen durfte und sich dort unter den meist älteren Gruppen der anderen Bundesländer glänzend präsentierte.

Ausprobieren!
Nicht immer aber sind die Ensembleleiter automatisch auch Spielleiter bei TAGGS. So unterschiedlich wie die jeweiligen Ensemblemitglieder, so verschiedenartig waren auch die Herangehensweisen und Arbeitsformen der Gruppen. Es entstanden in den vergangenen Jahren seit 1990 mehr als 30 Theaterabende, aber auch kurze Filme, szenische Lesungen, Liederabende, Theateraktionen im öffentlichen Raum. Dabei waren Stückbearbeitungen wichtiger Dichter und Autoren, sehr freie Arbeiten nach Prosavorlagen und natürlich Eigenproduktionen.

Ran an den Speck!
Mehr als 250 Jugendliche haben im Ensemble bereits Theater gespielt. Es ist von Anfang an bei TAGGS üblich gewesen, dass viele Schülerinnen und Schüler über mehrere Jahre mitspielen, dass die Großen irgendwann der Heimatstadt, der Schule und damit auch dem Ensemble den Rücken kehren. Dann rücken die Jüngeren nach, ermöglichen Kontinuität. In der Oberstufe ist es mittlerweile schon fast Tradition, dass langjährige Ensemblemitglieder sich erfolgreich als Spielleiter und Dramaturgen versuchen, es gibt auch immer wieder selbstständige Schülerprojekte bei TAGGS. 1998 zum Beispiel fuhr die Inszenierung „Kannibalen“ unter der Leitung von Maik Priebe, der zu diesem Zeitpunkt bereits seit fünf Jahre im Ensemble gespielt hatte, zum Festival Schultheater der Länder nach Münster, nachdem das Stück zuvor in Schwerin und Rostock sehr erfolgreich gespielt worden war.

…und abgeräumt!
So verschiedenartig die Projekte der TAGGS auch sein mögen, alle Arbeiten vereint: Es sind immer spielwütige Akteure am Werk, es ist ihnen immer sehr ernst mit ihrem Anspruch an den gemeinsamen Produktionsprozess, es wird unheimlich viel gelesen, probiert, gestritten. Die Wochenendproben und die Fahrten zu Gastspielen und ins Probenpraktikum vergisst man nicht so schnell wieder. Auch die zusätzliche Arbeit hat sich immer gelohnt. Sie lohnt sich für jeden, der in der Probe vieles über sich gelernt hat, über Schwierigkeiten und Hemmungen und wie man damit umgeht. Sie lohnt für jeden, der erfahren hat, wie anders und sinnvoll Projektarbeit im gleichberechtigten Team funktioniert. Lohnt sich für jeden, der sich später an Schule erinnern kann – auch mit Bildern der auf den Kopf gestellten (und dann wieder aufgeräumten) Schulaula, Bildern von Lampenfieber und der Erlösung nach der Vorstellung, Bildern eines geneigten und dankbaren Publikums, das der TAGGS in den vielen Jahren treu war.