Wir bitten alle Freunde und unser Publikum um Entschuldigung für das gegenwärtige Planungschaos! Es gibt einige Probleme mit der Aula; die Sanierung ist zwar scheinbar abgeschlossen, es sind aber erhebliche nachträglich zu beseitigende technische Mängel aufgefallen, die den Neustart immer wieder verzögern!
Die Vorstellung “Grünes Obst!” am 2. Dezember um 19 Uhr in der Aula des Fridericianums muss wegen Erkrankungsfällen im Ensemble leider ausfallen. Es gibt eine letzte Vorstellung dieser Produktion am Freitag, den 13. Januar in der schuleigenen Aula der Goetheschule, dann wieder zur gewohnten Zeit um 19.30 Uhr!
Schlag ich die heutige Tageszeitung auf, gibt’s da einen Riesenartikel über 20 Jahre BAGGS,… wie unsere Bigband toll ist, und dass am Anfang nur wenig da war und jetzt gaaaanz viel. Und dass die toll sind. Hmm, stimmt – find ich auch. Und sie feiern Jubiläum im November. Freu ich mich drauf, wird’s bestimmt auch ein großartiges Konzert geben.
Schau ich auf die Probenpläne der Lysis, dann steht da auch immerzu Vorbereiten des Jubiläums. Und auf der Schulhomepage werden sie gefeiert für ihre tollen Erfolge, SdL und so. Hmmm- stimmt, war toll, unser Tanztheater. Jubiläum im Dezember. Das wird sicher eine große Feier, und die Ehemaligen kommen. Schicke Sache.
Und dann schau ich hier rein und denk…: Hmmmm! Kein Jubiläum. Aber toll sind se doch auch, deine TaGGSler. In dieser Woche noch ne Vorstellung am Freitag, am Samstag Probe, am Sonntag rocken sie zum sechsten Mal den Martensschmaus im Schloss, und nächste Woche treten sie zur Gedenkveranstaltung Volkstrauertag im Festsaal des Schlosses auf und sie probieren für drei Jahresprojekte. Aber Jubiläum und Feiern – nee, da ist nix drin. Weil TaGGS niemals ein Gründungsdatum hatte. Theatergruppe gabs schon zu EOS-Zeiten, nicht regelmäßig und auch nicht kontinuierlich, aber bei Goethe wurde Theater gespielt. Auch schon vor 1989/90 und danach sowieso.
Dieses Blog verfolgt im Fundus-Teil die TaGGS-Arbeit zurück bis “Leonie und Lena”, also bis 1990/91 – seither ist nämlich Kontinuität gesichert. Da hätten wir also schon im vergangenen Schuljahr…aber es gab ja kein Gründungsdatum, wie gesagt.
So, und deshalb fühl ich mich jetzt ein bisschen Jubiläum und überlege, ob wir nicht im Frühling, so um Pfingsten rum, auch mal “Eine Party” machen sollten. Was denkt ihr?
Man staunt, genau! Unsere beiden nächsten Vorstellungen von “Grünes Obst – Ein musikalisches Theater”finden freitags statt, und zwar am 4. November und am 2. Dezember! ABER das Theater steigt nicht wie gewohnt bei uns in der Aula, sondern die TaGGSler erwarten ihr Publikum in der Aula der Fridericianums Schwerin. Aber vielleicht ist dies ja ein Anlass für manche Theaterbegeisterte aus der Innenstadt, sich noch einmal vom häuslichen Sofa aufzuraffen und ins Fritz zu kommen, um sich die Inszenierung anzuschauen? Oder ein paar Schülerinnen und Schüler dieses Gymnasiums schauen vorbei?
Die TaGGSler freuen sich in jedem Fall über Zuschauer!
Und ganz wichtig: Die Vorstellung beginnt jeweils schon um 19 Uhr!
Am Freitag, den 2. September 2011, und am Montag, den 5. September, präsentieren wir stolz das Jahrestheaterprojekt der achten bis zehnten Jahrgangsstufe von TaGGS! Beide Vorstellungen finden in der Aula des Goethe-Gymnasiums statt und beginnen um 19 Uhr!
Es spielen mit:
Katarina Vowinkel, Anna Zhukovets, Elisabeth Rimkus, Gloria Baden, Friederike Birr, Paula Brenne, Theresa Zschunke, Luise Osten, Nele Christoph, Helene Sonntag, Marie Fritsch, Juliette Celine Prochnow, Charlotte Schön, Julia Zäske, Lena-Marie Brinker, Ulrike Wegner, Anne-Marie Klinger, Lucie Kreuzer, Lotte-Sophie Footh, Moritz Rossmann, Joshua Dann, Björn Eidmann
Technik: Paula Brenne, Clara-Helene Gerhardt
Eine Kurzbeschreibung:
Eine Generation Kevins, Chantalls und Maxens, und das soll unsere Zukunft sein? Abhängig von internetfähigen Handys, Mp3-Playern mit Berührungsfunktion und Hosen, die drei Nummern zu groß sind, sollen sie unser Land aus der Krise führen?Faul, dumm und wortgewandt, wenn es um den eigenen Vorteil geht, dieses asoziale Bild drängt sich auf, wenn der Name „Kevin“ fällt. Stellvertretend für die ganze Generation der heute Dreizehn- bis Sechzehnjährigen?
Aber wie sieht sich dieser Horrorhaufen selbst? Die permanente Erreichbarkeit durch Handys ist von den Eltern der in den Peripherien wohnenden Jugendlichen ausdrücklich erwünscht. Wer stundenlang Zug fahren muss, der braucht Musik und zu enge Hosen sehen auch nicht mehr schön aus.Eigentlich würden sie gern mehr machen, aber dazu fehlt den Kevins, Chantalls und Maxens, die wir kennen gelernt haben, die Zeit. Neben Klavierstunden und Ballett ringen Schule, Freunde und Familie um Aufmerksamkeit. Wo soll da noch Zeit bleiben, wenn schon an diesem Punkt die 24 Stunden des Tages nicht ausreichen? Ist es nicht möglich, dass die „Jugend von heute“ nicht faul, sondern schlichtweg überfordert ist? Wenn die Unhöflichkeiten, welche die Großeltern beanstanden, gar nicht Unfhöflichkeit, sondern Erschöpfung ist? Wer kann schon immer aufmerksam alle Anforderungen des Lebens erfüllen? Doch genau das scheint man von den Kevins von heute zu verlangen.
Direkt aus dem Leben kommen die Geschichten, welche die 22 Spielerinnen und Spieler auf der Bühne erzählen. Als Zöglinge eines traditionsreichen Musikgymnasiums wissen die Mädchen und Jungen sehr genau, wovon sie im Scheinwerferlicht reden. Gleichzeitig drängt sich die Frage auf, ob die Chorkinder wirklich Kevins oder eher Theodors sind. Aber auch, ob die jungen Menschen zu Einzelkämpfern erzogen werden, obgleich „teamfähig“ ein Adjektiv ist, das in keiner Bewerbung fehlen darf.
Und am Ende stellt sich auch den Zuschauern die Frage: Sind wir nicht alle ein bisschen Kevin? (Isabell Berthold)
Bevor wir mit dem Ensemble nach Berlin zum Theatertreffen der Jugend aufbrechen, möchten wir die Inszenierung “Ausarten. Um uns und die Kunst!” noch einmal vor heimischem Schweriner Publikum zeigen:
Am Freitag, den 13. Mai gibt es also die 5. Vorstellung, wie immer in der Aula des Gymnasiums und zwar um 19.30 Uhr!
Nein, wir haben nichts gegen bestimmte Termine, wir lieben manchmal ja auch schwarze Katzen, wir haben vor einem Jahr fürs Hausprojekt ein rundes Dutzend Spiegel zerbrochen, es ist häufiger schon jemandem Salz verschüttet worden, und… wir sind trotzdem zu den Bundessiegern 2011 gekürt worden!
Also: Sehen wir uns dann am 13. Mai um 19.30Uhr? Uns würde es sehr freuen!
Und weil wir Probenbesuch von der Tageszeitung hatten bei der letzten Wochenendprobe… gibt es schon mal vorab eine Ankündigung des Projektes in der SVZ!
Ausarten. Um uns und die Kunst!” hat es geschafft! Das Ensemble gehört zu den Bundessiegern! Die Produktion wurde von der Jury als eine der acht bemerkenswertesten und beispielhaften Inszenierungen des Jahres ausgewählt. Deshalb wird das Ensemble von den Berliner Festspielen eingeladen, vom 27. Mai bis 4. Juni nach Berlin zu kommen und dort am Theatertreffen der Jugend teilzunehmen. Die Produktion wird dort im Rahmen des Festivals im Haus der Berliner Festspiele gezeigt!
Soeben erreicht uns die Nachricht, dass die selbstständige Schülerproduktion “Ausarten. Um uns und die Kunst!”, die gerade erst Premiere gefeiert hat, von der Jury des Wettbewerbs “Schüler machen Theater” besucht werden wird. Das bedeutet, dass die Gruppe, die sich an diesem Wettbewerb beteiligt hatte, zu den letzten zwanzig noch im Rennen verbleibenden Ensembles gehört, die die Vorauswahlhürde genommen haben. Ob die Produktion es schaffen wird, zu den acht Siegergruppen zu gehören, die dann im Mai zum “Theatertreffen der Jugend 2011″ nach Berlin eingeladen werden, hängt also von der nächsten Vorstellung und dem nachfolgenden Jury-Gespräch ab, in dem die Gruppe ihre Inszenierung besprechen muss.
Diese Vorstellung findet am 10. März um 20 Uhr in der Aula unserer Schule statt, die Gruppe hofft auf zahlreiches daumendrückendes Publikum an diesem Abend!
Und drüben im befreundeten Blog findet man eine Besprechung zum Stück! Guckstu hier!
Premiere des angekündigten selbstständigen Schülerprojektes ums Künstlertum im eigenen Leben ist am Freitag, den 25.2. und am darauf folgenden Samstag, also am 26.2., ist zweite Premiere. Beide Vorstellungen beginnen um 19.30 Uhr und finden in der Aula des Goethe-Gymnasiums statt.
Wir bitten um Vorbestellung gewünschter Karten (hier in den Kommentaren oder über Facebook), weil es jeweils nur 150 Karten gibt!
Eine dritte Vorstellung gibt es am Donnerstag, den 10. März um 20 Uhr am gleichen Ort!
Das trifft es ja nicht so recht! Denn die Beteiligten beschreiben ihr Projekt so:
Eine ganze Kindheit lang hat man uns erzählt, Musik und Kunst seien unglaublich wichtig für den Menschen, er könne seine Persönlichkeit viel prachtvoller entfalten bei täglicher Beschäftigung mit den Musen. Und wir waren folgsam. Nun aber schicken wir uns an, eine Lebensperspektive zu entwickeln.
Zeit für eine Bestandsaufnahme!
Pianisten und Geiger kommen heute eher aus fernöstlichen Regionen, da haben sie halt einen ganz anderen Ehrgeiz mit ihren Kindern, da sitzen die mit Drei schon am Klavier.
Künstler haben immer kein Geld und Projekte, Projekte… Theatermenschen sind stets unzufrieden und sehen immer völlig fertig aus ohne Schminke.
Werd doch lieber Arzt, hast doch gute Noten. Augen auf bei der Berufswahl…
Bist du bescheuert, mit Kunst kann heut keiner mehr nen Blumentopf gewinnen!
Zeit für eine ernsthafte Bestandsaufnahme, wirklich!
Aber Zeit ist ganz genau das, was wir eigentlich nicht übrig haben. Das gut geförderte, schulisch wohl integrierte Kind lernt, übt und geht brav zur Probe!
Zur Probe, genau: Deshalb haben wir die Probe zum Schutzraum für die fällige Bestandsaufnahme gemacht.
Wir sind neun Goethe-Gymnasiasten aus dem kleinen Provinzhauptstädtchen Schwerin, wir sind vom Musikgymnasium. Einige spielen seit Jahren Theater, der Rest widmet sich dem Gesang, malt oder spielt Klavier…
Dieses Projekt aber machen wir gemeinsam, dafür haben wir uns zusammengetan, haben in unseren Biografien rumgestochert, geredet und gestritten um Ziele und Pläne fürs Leben.
Wir haben gern inkauf genommen, dass wir aufs Dach kriegen von all unseren sonstigen Lehrern und Förderern, weil wir uns dieses zusätzliche, in ihren Augen eher überflüssige Projekt übergeholfen haben, für das wir ja eigentlich gar keine Zeit übrig haben…
Irgendwo muss man halt mal innehalten und zu sich selbst kommen.
Wir tun es auf der Bühne!
Und “wir”, das sind in diesem Fall: Hannah Hagemann, Lisa Prochnow, Christin Neuber, Marina Vowinkel, Justus Barleben, Max Darsow, Christian Kock, Sebastian Lange, Robert Will!
Heut haben wir den ersten Durchlauf gefilmt, es braucht noch hier und da ein bisschen Schliff, ein bisschen kritische Meckerei von der Pädagogenbank, und am Bühnenbild muss auch noch gearbeitet werden. Aber sicher ist der Premierentermin im Februar! Aber dafür brauchen wir eben noch einen vernünftigen Titel! Also das Stück soll heißen…
Vorstellungen:
Premiere am 25.2 um 19:30
2.Vorstellung 26.2 um 19:30
Hier auf der TaGGS-Seite war ja echt nix los in den letzten Monaten… Liegt an den sozialen Netzwerken, na schwatzt man so dahin, und immer ganz kurz! Passt besser zur fehlenden Muße!
Jetzt aber Schluss mit den Ausreden: Taggs war umtriebig und hat außerdem drei Projekte am Wickel, die in den nächsten Monaten fertig werden sollen.
Zum Ersten gibt es ein Projekt von neun jungen Künstlern (Justus Barleben, Sebastian Lange, Hannah Hagemann, Christian Kock, Christin Neuber, Marina Vowinkel, Max Darsow, Robert Will und Lisa Prochnow), die als Grenzgänger zwischen Musik, Tanz, Bildender Kunst, Literatur und Theater “Grenzüberschreitungen” wagen werden. Die Beteiligten begeben sich dafür immer wieder ganz bewusst an die Grenze dessen, was sie können und in ihren jeweiligen “vertrauten” Kunstformen gelernt haben und versuchen, auf der Grenze wie auf des Messers Schneide ein Weilchen zu balancieren, um diesen Schwebezustand auszukosten und zu erfahren. Automatisch gelangt das Ensemble dadurch auch immerzu zu der Frage, wie viel Künstlertum so ein stinknormales Jugendleben eigentlich duldet, aushält, erträgt, fordert…
Dieses Theaterprojekt ist übrigens eine weitgehend selbstständige Schülerproduktion, da sie von Anne Holz nur beratend begleitet wird. Solche Projekte gab und gibt es bei TaGGS schon seit Langem, sie sind mittlerweile eine wohlgelittene, weil erfolgreiche Art der Zusammenarbeit zwischen “jugendlichen Wilden” und Theaterlehrer am Goethe-Gymnasium Schwerin. Erinnert sei hier zum Beispiel an “Kannibalen”, ” “Iphigenie”, “hamlet.net” und andere Projekte. Premiere des Grenzgängerprojektes soll im Februar sein.
Zum Zweiten erarbeitet TaGGS im Oberstufen-Ensemble eine Nibelungenvariante, die, ausgehend von verschiedensten Materialien, die Großthemen Gier, Neid, Schuld, Rache versus Vertrauen, Verantwortung und Liebe herunterbrechen soll auf ein für Jugendliche spannendes, weil fassbares Maß. Es soll also eine sehr heutige, eine sehr gegenwärtige Auseinandersetzung werden, hinter der man die beteiligten Schülerinnen und Schüler deutlich erkennen kann. Um diesen Theaterabend genauer konzipieren und probieren zu können, begibt sich TaGGS vom kommenden Montag an für eine Woche ins Probenpraktikum nach Dreilützow. So hoffen wir den Premierentermin, angekündigt für Anfang Mai, einhalten zu können.
Aber es gibt auch ein Drittes: Ein “Projekt für jugendliche Helden”, das heißt fürs Nachwuchsensemble von TaGGS. Deshalb kommen auch die “Möhrchen”, die TaGGSler der siebten bis neunten Klasse, mit ins Probenpraktikum, um ihre Produktion voranzubringen.
Damit das nun funktionieren kann mit den zwei parallel probierenden Gruppen in Dreilützow, und um einem Nervenzusammenbruch der Theaterlehrerin vorzubeugen, begleitet eine TaGGSlerin, die das Nest längst verlassen hat und in Bern Schauspiel studiert, nämlich Julia Gräfner, die Gruppe, um als zweite Spielleiterin im Probenpraktikum mitzumischen. Auch das Nachwuchsprojekt soll nämlich noch in diesem Schuljahr premierenreif vorbereitet werden.
So, und nun hoffen wir auf Kraft und jede Menge Ideen und Inspiration für die kommende Probenwoche, in der der schulische Alltag scheinbar ganz weit weg von TaGGS bleibt…
„I will live forever“ dröhnt es an mein Ohr. Ich sitze in einem Raum mit nackten Betonwänden, auf einem Campingstuhl, um mich herum tanzen ausgelassen junge Menschen. Die Wände sind mit vielen Farben beschmiert, ergeben ein bizarres Bild im Licht des Scheinwerfers.
Farbe, Räume, Geschichten gehen mir durch den Kopf. Kopfkino.
„I will live forever…“ und ich spüre wie dieser Ort seinem Ende entgegensieht. Ich weiß um seinen Abriss. Es war sein letzter großer Auftritt. Game Over.
Wie beginnt man eine Geschichte, deren Anfang und Ende man nicht kennt?
Ich bin einer Einladung gefolgt: Theatergruppe hat Haus, aus Dornröschenschlaf geweckt.
Der Plattenbau wird abgerissen werden, aber vorher wollen Schüler das Haus besetzen und seine und ihre Geschichten erzählen.
Es ist 18:50Uhr und während ich aus dem Auto steige, sehe ich schon eine Ansammlung von Menschen vor einem großen kastenförmigen Betongebäude. Mitten in einem sozial schwachen Plattenbaugebiet. Leer stehende Blocks, die Nachbarn sind ein Obdachlosenheim und Carisatt.
Man kennt die Geschichte dieses Bezirks und bringt seine eigenen Gedanken mit. Hier rechnet man mit erschütternden Geschichten sozial schwacher Randgruppen. Was könnte mir sonst so ein Haus erzählen?
Hier war bis vor 20Jahren ein Zuzugsgebiet, ein Arbeiterwohnheim, vor allem für Vertragsarbeiter aus Vietnam, dann für Asylbewerber und Spätaussiedler, ein Übergangsquartier für alle möglichen Menschen in Übergangssituationen, schließlich auch ein muslimisches Zentrum und seit 7 Jahren – nichts. Ein Plattenbau -gebaut mit großen Ambitionen des DDR-Staates. „Wohnen am Park“ und „positive Sozialprognose“ haben dieses Projekt begleitet. Der Abriss ist für August 2010 geplant. Wenn Geld dafür daist.
Ich begebe mich unter die Leute, sehe bekannte Gesichter, schließe mich einer Gruppe (Familie) von Besuchern an, erwerbe ein Programmheft und warte.
Noch vor dem HAUS sehen wir die grauen Wände, die Farbe, die abbröckelt, und die Spieler beginnen ihr Spiel. Ein Spiel mit dem Klischee, mit der Fantasie, mit Vorurteilen und bitterbösem Humor, der betroffen und nachdenklich macht. Der unsere Sicht auf Menschen und Stadtteile, sei es Berlin-Marzahn oder Schwerin-Großer Dreesch, hinterfragt. Da krepiert der Lacher im Hals, da verschluckt man sich an der Realität. Trotzdem kommt keine Moral, sondern ich bleibe bei mir und bin Zuschauer.
Hier werden einmal meine Erwartungen gebrochen, damit ich mich einlassen kann auf das Filigrane, auf das Wirkliche, das Eigentliche, das Persönliche.
Es beginnt ein Rundgang, eine Führung, von Wohnung zu Wohnung, von Raum zu Raum, von Geschichte zu Geschichte, von Beobachtung zu Beobachtung, von Gedanke zu Gedanke, von Traum zu (Alp)Traum. 2 Etagen, 5 Abteilungen, 29 Räume, 4 Ausstellungen, 33 Spieler.
Die folgende Stunde ist wie Kaninchenbau, ist Wunderland, ist Kindheit, ist Suche. Das weiße Kaninchen hat grüne Fußabdrücke, die Grinsekatze eine Trillerpfeife. Ich bin Alice und folge Treppe rauf und runter, durch scheinbar endlose Flure.
Es geht ums Wohnen, ums Leben, um Zukunft. Es geht um Schönheit, um Träume, um Glauben, um Liebe, um Ängste… dieses Haus ist ein Museum geworden, ein Fundort persönlicher Geheimnisse und Gedanken. Manche so leise geflüstert, dass sie im Stimmengewirr untergehen, manche an die Wand geschlagen, geschrieben. Sie sind allgegenwärtig. Ich verlasse keinen Raum, wie ich ihn betreten habe. Dieses Haus lebt, für einige Minuten, voller Stimmen, voller Menschen, voller Erinnerungen einer alten und den Träumen einer neuen Generation. Ich lese Wände wie Tagebücher, sehe Parolen und bekomme eine Ahnung von Geschichte. Es ist so vielseitig wie einzigartig, so persönlich wie künstlerisch. Die Räume erzählen, die Spieler erzählen und gemischt mit meinen Gedanken, ergibt es einen Sog, in dem sich viele Bilder vermischen und doch einzeln gesehen werden. Ein einzigartiges Theatererlebnis, wo ich mit wenigen Menschen in einem dunklen Raum, ohne Fenster und mit 8 Türen, stehe und ein Spieler rennend an den Türen rüttelt, den Ausgang sucht und die Frage nach dem „Woher? Wohin?“ stellt.
Es begleiten mich Beklemmung, Trostlosigkeit, so wie mich Ideen und Räume beschäftigen, ich über Träume schmunzeln und über Geschichten staunen muss.
Und wie Alice verlasse werde ich das Wunderland… ohne alles gesehen zu haben. Aber wie Alice nehme ich etwas nach Hause mit und bin mir sicher, dieser Abend „will live forever“.